Smart Home: smart, smarter, Zuhause

Einen Werbeslogan wie „Smart Home: mein Intelligentes Zuhause“ nutzen inzwischen nahezu alle Anbieter in den Bereichen Heizungssystem, Elektrogeräte, Multimedia und Gebäudetechnik. Aber längst nicht alle verstehen dasselbe darunter. An einem Ende der Skala finden sich zum Beispiel Zeitschaltungen von Lampen und Rolladen, die während einer längeren Abwesenheit Aktivität simulieren und so Einbrecher abschrecken sollen. So etwas gibt es schon lange und wird jeweils über Zeitschaltuhren realisiert, die in die Steckdose gesteckt werden. Am anderen Ende der Skala findet sich zum Beispiel der Kühlschrank, der seinen Innenraum mit Kameras überwacht und automatisch Lebensmittel nachbestellt. Hier besteht potenziell die Gefahr, dass durch solche Produkte beim Konsumenten der Eindruck erweckt wird, dass sich hinter dem Begriff „Smart Home“ primär überflüssige Spielereien verbergen, die niemand wirklich benötigt. Nichts ist falscher als das! Denn zwischen dem Trivialen und dem Exzentrischen existiert ein weites Feld wirklich sinnvoller Innovationen.


Die intelligente Heizungssteuerung

Heizenergie kann durch intelligente Technologien deutlich effektiver genutzt werden. Ein Heizungssystem lässt sich einfacher und effektiver bedienen, wenn für die einzelnen Räume nur noch eine Wunschtemperatur vorgegeben werden muss. Manche intelligente Thermostate lernen das sogar selbst, indem sie das Nutzerverhalten beobachten. Je nach Ausstattung wertet die Steuerung auch Wetterprognosen für den jeweiligen Tag aus, um die optimale Einstellung zu ermitteln. Probleme mit einer zu hoch oder zu niedrig eingestellten Heizung gehören damit der Vergangenheit an. Dadurch wird viel Energie gespart und somit ein wichtiger Beitrag zu Nachhaltigkeit des Gebäudebestands geleistet.


Strom effektiver nutzen

Das einfachste Beispiel in diesem Zusammenhang ist intelligente Beleuchtung, die Licht dort drosselt, wo es gerade nicht benötigt wird. Auch hier werden unterschiedliche Varianten angeboten. Einige Systeme reagieren auf Schwankungen im einfallenden Tageslicht und sorgen für eine gleichbleibende Helligkeit. Andere merken sogar, wenn alle Personen einen Raum verlassen haben und drosseln das Licht entsprechend. All das gehört eher in die Rubrik „erhöhter Wohnkomfort“, weil moderne Leuchtmittel relativ wenig Strom verbrauchen und die Einsparungen daher nicht allzu beeindruckend sind. Deutlich mehr können große Stromverbraucher wie Waschmaschinen zur Nachhaltigkeit beitragen. Als ideal hat sich die Lösung erweisen, den Waschgang vom Netzbetreiber via Fernsteuerung starten zu lassen. Die Energiewende wird deutlich einfacher, wenn die Steuerung zeitlich variabler Verbraucher an die Netzbetreiber übertragen wird, wo immer dies sinnvoll möglich ist. Dadurch können Stromverbrauch und Stromerzeugung besser aneinander angepasst werden. Viele Anbieter honorieren dies über spezielle Stromtarife mit attraktiven Rabatten. Nachgedacht wird inzwischen auch über Kompromisslösungen. Es wäre schon eine Hilfe, wenn große Stromverbraucher wie Waschmaschinen ihren Strombedarf mit einer gewissen Vorlaufzeit automatisch beim Netzbetreiber anmelden. „Smart“ kann eben vieles bedeuten!


Ein Blick in die nahe Zukunft

Der Gebäudebestand muss aufgrund von Vorgaben des Gesetzgebers einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Im Neubausegment setzt die Regierung dabei nicht auf steuerliche Anreize, sondern auf gesetzliche Vorgaben. Aus den letzten Novellierungen der Energieeinsparverordnung lässt sich ein Trend ablesen: Was im Bereich Energieeinsparungen möglich ist, wird schon bald auch zwingend verlangt. Der Standard, der vor wenigen Jahren noch als vorbildliches „Effizienzhaus“ definiert wurde, ist heute bei Neubauten zur Minimalanforderung geworden. Bauherren werden also in Zukunft kaum eine Wahl haben, ob sie sich das Motto „Mein intelligentes Zuhause“ zu eigen machen – es wird ihnen schlicht auferlegt werden.


Auch Nachrüstungen sind möglich

Ein Smart Home erfordert keine spezielle Verkabelung, weil die zentrale Steuerung drahtlos mit allen angeschlossenen Geräten kommuniziert. Daher sind auch Nachrüstungen möglich. Insbesondere im Bereich der Heizungsanlagen werden viele Möglichkeiten angeboten, bestehende Systeme mit intelligenten Steuerungen nachzurüsten, um Energie zu sparen. Das Einsparpotenzial ist erheblich, weswegen solche Nachrüstungen oft empfehlenswert sind. Hinzu kommt, dass der Wert der Immobilie steigt, wenn der Energieausweis einen niedrigeren Primärenergiebedarf ausweist. Die Optimierung der Heizung ist daher meist der sinnvolle Einstieg in das Smart Home. Etwas schwieriger fällt die Bilanz bei der smarten Steuerung von Elektrogeräten aus, weil die Einsparpotenziale hier niedriger sind. Trotzdem gehören auch diese mit dazu, schließlich wird schon bei vielen Smart-Home Nutzern alles über ein und dieselbe App gesteuert oder zumindest über dasselbe smarte Gerät.